Die Völkerwanderung im Frühmittelalter – einfach erklärt
Was bedeutet der Begriff „Völkerwanderung“?
Im Frühmittelalter waren viele Menschen in Europa unterwegs. Diese Zeit nennt man heute die Völkerwanderung. Dabei darfst du dir aber nicht vorstellen, dass ganze Völker einfach mit Sack und Pack losgezogen sind. So einfach war das nicht.
Meist ging es um Kriege, um Land, Macht und Sicherheit. Der Begriff „Völkerwanderung“ ist deshalb eine Vereinfachung. Er beschreibt, dass sich zwischen dem 4. und 6. Jahrhundert n. Chr. viele Grenzen verschoben haben. Alte Reiche zerbrachen, neue Reiche entstanden. Wie das genau ablief, erfährst du hier.
Die Germanen breiten sich aus
Eine wichtige Rolle spielten die Germanen. Sie lebten ursprünglich im heutigen Mitteleuropa und breiteten sich mit der Zeit immer weiter aus. Für die Römer war das ein großes Problem.
Die Germanen waren kein einzelnes Volk, sondern bestanden aus vielen kleinen Stämmen. Diese Stämme stritten sich oft untereinander, überwiegend um Land und Macht. Im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. gehörten unter anderem die Westgoten, Sachsen, Angeln, Bajuwaren und Franken zu den germanischen Stämmen. Insgesamt gab es über 70 verschiedene Stämme.
Die Germanen waren sehr naturverbunden. Sie glaubten an Naturgottheiten wie Thor oder Freyja.
Kamen Römer und Germanen miteinander aus?
Am Anfang lebten Römer und Germanen recht friedlich nebeneinander. Sie handelten miteinander und übernahmen sogar Dinge voneinander. Manche germanische Kinder gingen in römische Schulen.
Während der Völkerwanderung zogen jedoch immer mehr germanische Gruppen in das Römische Reich. Das führte zu Kämpfen. Trotzdem vermischten sich die Kulturen im Laufe der Zeit immer stärker. Aus Römern und Germanen wurden nach und nach neue Gemeinschaften.
Wer waren die Goten?
Die Goten waren ebenfalls Germanen. Man unterscheidet zwischen Westgoten und Ostgoten. Ursprünglich lebten sie weiter im Osten Europas. Während der Völkerwanderung zogen sie in Gebiete des Römischen Reiches.
Im 5. Jahrhundert n. Chr. lebten die Westgoten in Spanien und Südfrankreich. Die Ostgoten siedelten im Gebiet des heutigen Ungarn.
Im Jahr 553 n. Chr. wurden die Ostgoten vom Oströmischen Reich besiegt. Das Reich der Westgoten bestand länger, es endete erst 711 n. Chr., als die muslimischen Mauren Spanien eroberten.
Die Angeln und Sachsen in England
Auch die Angeln und Sachsen waren germanische Stämme. Ursprünglich lebten sie im heutigen Norddeutschland. Während der Völkerwanderung zogen sie auf die Britischen Inseln.
Man vermutet, dass ihr Land zu klein wurde und es nicht genug Nahrung für alle gab. Mit der Zeit verschmolzen die Angeln und Sachsen zu den Angelsachsen.
Sie gründeten sieben Königreiche: Essex, Sussex, Wessex, Kent, East Anglia, Mercia und Northumbria. Dort sprach man Angelsächsisch, aus dem später die englische Sprache entstand.
Welche Rolle spielten die Hunnen?
Die Hunnen waren ein Reitervolk aus Asien, das im 4. und 5. Jahrhundert n. Chr. nach Europa kam. Warum sie ihre Heimat verließen, weiß man bis heute nicht genau.
Die Hunnen eroberten viele Gebiete der Germanen. Dadurch mussten zahlreiche Stämme fliehen. Deshalb gelten die Hunnen als ein wichtiger Auslöser der Völkerwanderung.
Sie waren sehr gute Reiter und Kämpfer. In alten Berichten werden sie als mutig, aber auch als grausam beschrieben. Der bekannteste Hunnenkönig hieß Attila.
Wenn du weitere Infos zu den Ursachen der Völkerwanderung suchst, dann schau mal auf den Zeitstrahl unter “Ursachen der Völkerwanderung” nach.
Wichtiges zur Völkerwanderung


